16 Feb. ZEITGEIST – Am Puls der Zeit
Worüber wir sprechen: Lindsey Vonn wusste, dass sie ein sehr hohes Risiko eingeht. Sie ist trotzdem gestartet. Nach dem schweren Sturz sagte sie sinngemäß: keine Reue. Wir wollen hier nicht die Frage stellen, ob das mutig oder fahrlässig war. Sondern, einen Bezug zu Verhandeln herstellen:Was passiert, wenn „bis ans Limit gehen“ in einer Verhandlung zur festen Position wird?
In Verhandlungen (und Entscheidungen) wirkt das oft stark: maximale Entschlossenheit, kein Zurück. Technisch ist es aber hochriskant.
Denn wer sich früh und öffentlich festlegt, verbrennt Optionen. Aus einem gemeinsamen Entscheidungsprozess wird ein binäres Spiel: machen oder abbrechen. Ohne vorher vereinbarte objektive Kriterien wird daraus schnell ein Willens- oder Moralduell.
Drei nüchterne Learnings aus Sicht des Harvard-Konzepts:
- Entschlossenheit ersetzt kein Verfahren. Klare Kriterien schlagen Heldennarrative. Wer sich früh, öffentlich und unumkehrbar festlegt, verwandelt eine Verhandlung in ein Commitment-Spiel.
- Commitment vor Exploration reduziert die Qualität des Ergebnisses. Stärke zeigt sich oft im Offenhalten von Optionen.
- „Keine Reue“ schützt das Selbstbild – ersetzt aber keine Prozessreflexion.
Die eigentliche Reife in Verhandlungen zeigt sich nicht darin, wie weit man geht. Sondern darin, wann und warum man stoppt. Wo haben Sie zuletzt erlebt, dass maximale Entschlossenheit mehr Optionen zerstört als geschaffen hat?
Gute Besserung Lindsey Vonn.
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